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Ausdrucksstark, konzentriert und tief beeindruckend: Tänzerinnen und Tänzer aus dem Wittekindshof in der Auferstehungskirche.
Bad Oeynhausen (AM). Es gab kein Kichern und Tuscheln unter der zu dieser frühen Nachtstunde großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen in der Bad Oeynhausener Auferstehungskirche. Insgesamt herrschte absolute Stille und gespannte Aufmerksamkeit unter den knapp 300 Besucherinnen und Besuchern, die zur dritten Station des Ökumenischen Pilgerweges in der 4. Nacht der Offenen Kirchen gekommen waren. Sie erlebten die Uraufführung der Tanzperformance „durch blicke", die 23 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Wittekindshof seit Januar erarbeitet und eingeübt hatten. Es war eine beeindruckende Komposition von Musik, Licht und Bewegung. Im Altarraum war ein Tanzboden ausgerollt und ein Vorhang für die selbst produzierte Videoeinspielung gespannt. So konnten auch Menschen mit Behinderung die Tanzperformance bereichern, die der Auftritt in der Kirche überfordert hätte. Die Schatten des Videos mischten sich mit denen der Tänzer in der Kirche. Der Pfarrer der Altstädter Kirchengemeinde Lars Kunkel hatte die dritte Station des Pilgerweges unter das Motto „Ankommen" gestellt und die Besucher in der Kirche eingeladen den Tag Revue passieren zu lassen und bei dem anzukommen, was die Menschen jenseits der Verpflichtungen des Tages eigentlich möchten.
Die Tänzerinnen und Tänzer boten viele Anknüpfungspunkte. Mal gingen und schritten sie im Takt der Musik über den Tanzboden. Dann krochen sie aus Nebelschwaden oder bewegten die Armen sanft wie riesige Vögel, die am Himmel ihre Kreise ziehen. In Duos, Trios und kleinen Gruppen setzten sie immer wieder neue Akzente auf der Bühne und zogen die Gäste in ihren Bann. Dezent aber wirkungsvoll setzte das Technik Team von Ten Sing Vlotho alles ins rechte Licht und verstärkte mit roten, blauen, grünen und gelben Scheinwerfern und Spotlicht die Wirkung der Tanzperformance.
Katharina Vorderbrügge, Wittekindshofer Musiktherapeutin und eine der drei Choreografinnen, berichtete, dass es das Ziel gewesen sei, die Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten, aber die Vorlieben der Tänzerinnen und Tänzer zu einem vielschichtigen Gesamtkunstwerk zu vereinen. Das bot, ohne weitere Erklärungen unzählige Anknüpfungspunkte für den Tagesrückblick, zu dem zu Beginn mit drei Meditationstexten eingeladen wurde.
Spätestens als der Applaus einsetzte und die Tänzerinnen befreit anfingen zu lächeln und nach mehren tiefen Verbeugungen sich glücklich in die Arme fielen, herrschte Gänsehautstimmung in der Auferstehungskirche und der ein oder andere musste Tränen vor Anspannung und Ergriffenheit unterdrücken oder wischte sie mit einer schnellen Handbewegung ab. Worte gab es auch jetzt in dieser Kirche kaum. Pfarrer Lars Kunkel, der in der Auferstehungskirche schon viel beeindruckendes, aber nach eigenen Angaben kaum jemals einen solch lang anhalten Applaus erlebt hatte, sagte nur: „Was für ein Pfingstfest. Was für eine Inspiration!" Auch die Besucher wollten wenig reden und stimmten gemeinsam lieber noch einmal einen kräftigen Applaus an.
Tanzperformance
Die Tanzperformance war das Ergebnis eines gemeinsamen Community-Dance-Projektes der Förderschule und der Musiktherapie Wittekindshof. Einige der 23 Tänzerinnen und Tänzer hatten bereits tänzerische Vorerfahrungen. Andere haben Neuland betreten. Ausgangspunkt für alle, war die Freude an der Bewegung zu und mit Musik. Jeder konnte eigene Ideen einbringen. Die Choreografie entstand aus den Bewegungsmöglichkeiten und Vorlieben, die die Tänzerinnen und Tänzer einbringen konnten. Aus vielen Einzelideen haben die Hamburger Tanzpädagogin und Choreografin Anke Böttcher, die Wittekindshofer Musiktherapeutin Katharina Vorderbrügge und Iris Blasche von der Förderschule Wittekindshof die Gesamtchoreografie erarbeitet. Die Uraufführung der Tanzperformance fand im Rahmen der 4. Nacht der Offenen Kirchen als Kooperationsveranstaltung der evangelischen Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt, KUK! Kirche und Kultur im Kirchenkreis Vlotho und der Diakonischen Stiftung Wittekindshof statt. Die Tanzperformance und die ebenfalls am Pfingstsonntag in der Auferstehungskirche eröffnete Wittekindshofer Kunstausstellung stehen unter dem gemeinsamen Titel „durch blicke".