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Gemütlich ist es noch nicht an der Wehmstraße. Aber Nicole und ihr Vater Frank-Michael Wuff wissen, dass es nun wirklich losgeht mit den Bauarbeiten für die neue Wohnanlage des Wittekindshofes.
Bünde (AM). „Nichts ist passiert", mussten Ben West und Marcel Niewöhner immer wieder feststellen, wenn sie zum Eckgrundstück Nordring/ Wehmstraße gegangen sind. Die beiden jungen Männer kennen sich aus dem Johannes-Falk-Haus, wo sie zur Schule gegangen sind. Ben wohnt bei seinen Eltern, Marcel im Wittekindshofer Kinder- und Jugendwohnhaus in Ennigloh. Ben ist Baustellenfan, aber nicht nur deswegen hat er sehnsüchtig darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Der 19-Jährige hat sich entschieden, Zuhause auszuziehen. Er wird eines der 24 Einzelzimmer bekommen, die in der neuen Wohnanlage der Diakonischen Stiftung Wittekindshof an der Wehmstraße entstehen.
Zentrale Lage in Bünde
Vor gut zwei Jahren hatte Familie West zum ersten Mal von den Bauplänen des Wittekindshofes gehört. „Für Ben und seine Entwicklung ist es das Beste, auch wenn wir mal nicht mehr da sein sollten. Ich bin auch in dem Alter bei meinen Eltern ausgezogen und hier ist er mitten im Geschehen. Sie können zu Fuß in die Stadt, zum Eis essen und ins Kino und müssen nicht warten, bis sie jemand fährt. Wenn Ben will, ist er in zehn Minuten bei uns Zuhause", freut sich Mutter Dianne West.
„Die Vorplanungen und die Abstimmungen zur Finanzierung dauern länger als der Bau. In der Rohbauphase werden täglich Fortschritte sichtbar ", erklärte Diakon Andreas Ritter, der als Geschäftbereichsleiter für Wohnangebote für Menschen mit Behinderung in Löhne, Enger, Herford und durch den Neubau auch in Bünde verantwortlich ist.
Der erste Spatenstich
Seit gut einer Woche passiert etwas. Das Wohnhaus und das Nebengebäude für Tagesstrukturiende Angebote sind mit kleinen roten Pfosten grob abgesteckt. Ein Bauzaun ist aufgestellt und die ersten Baumaschinen sind angerückt. „Die bauen unser Haus. Ich will da einziehen. Ich freu' mich so", erklärt Marcel Niewöhner und steckt mit seiner Begeisterung Architekten, Handwerker, Eltern und Rainer Wilmer an, der als fast direkter Nachbar und zuständiger Pfarrer für das neue Wohnhaus gekommen ist. Sie hatten sich zum symbolischen ersten Spatenstich auf der Baustelle getroffen. Zu ihnen gehörte auch Nicole Wuff, die zurzeit noch im Wittekindshofer Schülerdorf in Bad Oeynhausen lebt. „Wir wohnen in Löhne, aber meine Frau geht mit Nicole immer in Bünde einkaufen, wenn sie uns am Wochenende besucht. Nicole kennt sich hier bestens aus", freut sich Frank-Michael Wuff. Auf der Baustelle war die junge Frau mit ihrem Rollstuhl noch auf die Unterstützung ihres Vaters angewiesen. Später bietet ihr das barrierefreie Wohnhaus größtmögliche Bewegungsfreiheit. Während ihre beiden zukünftigen Mitbewohner die Chance nutzten, einmal selbst auf dem Baggersitz Platz zu nehmen, guckt sich Nicole die große Baggerschaufel aus nächster Nähe an, mit der der Boden für die Fundamente vorbereitet wird.
Bauleiter Günther Wachter von Lemgoer Büro Brandarchitekten rechnet mit einer Bauzeit von rund einem Jahr. Auf dem zentral gelegenen Grundstück, von dem auch das Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) Café SoLero in der Bahnhofsstraße in zehn Minuten zu Fuß oder per Rollstuhl erreichbar ist, entsteht ein zweigeschossiges Wohnhaus mit weißer Putzfassade und farbigen Fensterelementen mit Flachdach. Der Zugang erfolgt von der Wehmstraße und liegt zum Teil geschützt hinter einer Bruchsteinmauer.
Tagesstrukturierende Angebote
Zur Wohnanlage gehört direkt an der Wehmstraße ein eingeschossiges Gebäude für Tagesstrukturierende Angebote: „Menschen mit Behinderung, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung oder weil sie bereits das Rentenalter erreicht haben, nicht in einer Werkstatt arbeiten, können hier an Einzel- oder Gruppenangeboten teilnehmen. So ermöglichen wir einen abwechslungsreichen Tagsablauf", berichtet Andreas Ritter und betont, dass sich dieses Angebot ausdrücklich auch an Bürgerinnen und Bürger mit Behinderung aus Bünde und Umgebung wendet: „Im Bereich Tagesstruktur können wir noch neue Anmeldungen annehmen. Für das Wohnhaus mussten wir schon eine Warteliste anlegen."
Am liebsten würde Marcel Niewöhner sofort umziehen, aber er weiß, dass er noch etwas Geduld braucht. Architekt Stefan Brand hat ihm verraten, dass demnächst zwei Kräne aufgebaut werden. Für Marcel steht fest, auch das wird er fotografieren. Beim ersten Spatenstich hat er mit Andreas Ritter verabredet, dass er den Bau mit seiner Kamera dokumentieren und die Fotos dann bei der Einweihungsfeier zeigen will.
Hintergrundinfos:
Finanzierung des Wohnhauses
Die Baukosten belaufen sich auf 3,2 Millionen Euro. Zu den Förderern der neuen Wohnanlage gehören der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL), das Land Nordrhein-Westfalen und die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW.
Wohnanlage Wehmstraße für Menschen mit Behinderung