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Herne (DB/ AM). Noch arbeiten die Handwerker im und rund um das neue Wohnhaus der Diakonischen Stiftung Wittekindshof am Emsring 7 in Herne-Eichenforst. Trotzdem sind vor wenigen Tagen die ersten sieben Bewohnerinnen und Bewohner eingezogen. „Wir haben den Umzug mit großer Spannung erwartet. Jetzt sind wir froh, im Neubau zu sein. Wir genießen das großzügige Platzangebot und richten uns häuslich ein", erklärt Teamleiter René Lehringer. Der Heilerziehungspfleger und Betriebswirt für soziale Berufe ist verantwortlich für die Wohngruppe im Obergeschoss für insgesamt 12 Frauen und Männer mit Prader-Willi-Syndrom (PWS), einer seltenen genetisch bedingten Behinderungsform. Zunächst sind sieben Frauen und Männer eingezogen, die bisher zusammen in der Vinckestraße gewohnt haben. Die Wohngruppe in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentrum in der Innenstadt wurde im Februar letzten Jahres eröffnet, weil Familien und andere Einrichtungen dringend nach einem spezialisiertem Wohnangebot für Menschen mit PWS im Ruhrgebiet gesucht haben. „Die Vinckestraße war von Anfang an als Übergangslösung gedacht. Die Lage in der Innenstadt hat sich bewährt. Leider fehlt ein Garten und vor allem brauchen wir für das spezialisierte Wohnangebot mehr Platz im Haus", berichtet Diplom-Psychologe Norbert Hödebeck-Stuntebeck, der eine Warteliste von PWS-Betroffenen angelegt hat, die ein Wohnangebot suchen. Durch den Neubau am Emsring kann die Wohngruppe um vier Personen erweitert werden.
In den nächsten Wochen werden fünf weitere Bewohnerinnen und Bewohner in die PWS-Gruppe und ab Ende Oktober die 12 Frauen und Männer in die Regelwohngruppe im Erdgeschoss einziehen. „Wir setzen das schrittweise um, so dass allen die Eingewöhnung leichter fällt", so Norbert Hödebeck-Stuntebeck, der darauf hinweist, dass die Umzüge eine besondere Herausforderung seien: „Das Prader Willi Syndrom führt oft zu großen innerpsychischen Konflikten und herausfordernden Verhalten. Durch spezielle Unterstützungsangebote lernen die Menschen mit diesen syndromspezifischen Besonderheiten zu leben. Wenn aber zuviel Neues auf einmal passiert, sind Überforderungen vorprogrammiert", erklärt der Wittekindshofer PWS-Spezialist, der sich im Neubau vor allem über die guten Rückzugsmöglichkeiten im eigenen Zimmer, im Garten und durch verschiedene Gemeinschaftsräume freut. „Am Emsring lassen sich ungewollte Begegnungen leichter vermeiden. Beide Wohngruppen im Erd- und Obergeschoss können in einen 2er, 4er- und 6er-Wohnbereich unterteilt werden. Diese kleinen Wohngemeinschaften tragen ebenso zur Entspannung bei wie mehrere Gemeinschaftsräume durch die wir parallel verschiedene Freizeitaktivitäten anbieten können, ohne und gegenseitig zu stören", so Norbert Hödebeck-Stuntebeck.
Ingesamt werden in dem neuen Wittekindshofer Wohnhaus am Emsring 24 Frauen und Männer mit Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf leben. Eine von ihnen ist Michaela Schäfer, die ursprünglich aus Herne stammt und mehrere Jahre im Wittekindshofer Schülerdorf in Bad Oeynhausen gelebt hat. Ihre Rückkehr ins Ruhrgebiet kann sie kaum noch abwarten. Bei einem Besuch im Neubau hat sie sich jedoch selbst überzeugt, dass sie noch etwas Geduld haben muss: Schränke, Nachttische und Bettrahmen sind in allen Zimmer aufgebaut, aber Matratzen und vieles anderes, was aus einem Neubau ein gemütliches Wohnhaus macht, fehlen noch. Oben in der PWS-Wohngruppe ergibt sich bereits jetzt ein ganz anderes Bild: Die Gemeinschaftsräume, Wohn-Esszimmer und Küchen sind eingerichtet, dutzende Umzugskartons ausgepackt und persönliche Möbel aufgebaut. „Jetzt geht es um Details, die schönsten Plätze für Bilder, hier noch ein zusätzlicher Haken und dort noch eine Blume, aber wir erkunden auch schon die Umgebung", berichtet Teamleiter René Lehringer.
Rund 25 neue Arbeitsplätze in Herne
Wenn alle 24 Bewohnerinnen und Bewohner in das neue Wohnhaus der Diakonischen Stiftung Wittekindshof am Emsring in Herne eingezogen sind, werden rund 25 Frauen und Männer in Voll- und Teilzeit im Neubau arbeiten: „Die Anzahl der Mitarbeitenden richtet sich nach dem Unterstützungsbedarf der Bewohnerinnen und Bewohner und verändert sich beispielsweise durch altersbedingte körperliche Einschränkungen und höheren Pflegebedarf", erklärt Klaus Jurczewski, Wohnbereichsleiter der Diakonischen Stiftung Wittekindshof.
Im neuen Wittekindshofer Wohnhaus am Emsring wird ein interdisziplinäres Mitarbeiterteam die 24 Bewohnerinnen und Bewohner rund um die Uhr auch an den Wochenenden und an Feiertagen im Alltag begleiten und in allen Lebensbereichen unterstützen. Aufgrund des hohen Unterstützungsbedarfes der Bewohnerinnen und Bewohner, die in den nächsten Wochen einziehen werden, verfügen fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über eine mindestens dreijährige pädagogische oder pflegerische Fachausbildung oft kombiniert mit weiteren Zusatzqualifikationen, dazu gehören: Heilerziehungspfleger, Erzieher, Sozialarbeiter, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Altenpfleger.