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Heiko Gusowski hat bereits seit Wochen den Schlüssel für sein eigenes Zimmer. Die offizielle Schlüsselübergabe für den Neubau findet am Freitag statt.
Gronau (AM). Vor knapp zwei Monaten sind die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Gronau aus dem Wittekindshofer Hagemannhaus und dem Schülerhaus in das neue Wohnhaus der Diakonischen Stiftung an der Königstraße 92 in Gronau umgezogen. Nach und nach sind die jungen Menschen hinzugekommen, die zuvor noch bei ihren Eltern oder in anderen Einrichtungen gelebt haben. „Mittlerweile sind 23 von 24 Einzelzimmern bewohnt und wir haben uns eingelebt. Die Aufregung rund um die Umzüge hat sich gelegt. Jetzt freuen wir uns auf die Einweihung mit hoffentlich vielen Gästen", erklärt Teamleiterin Heike Genz.
Einige Bewohner haben im Neubau erstmals ein eigenes Zimmer und sind stolz auf ihren Zimmer-, aber auch den eigenen Briefkastenschlüssel. Die offizielle Schlüsselübergabe vom Ingenieurbüro Johann Hoff an die Diakonische Stiftung Wittekindshof wird jedoch erst am kommenden Freitag, 2. Juli, im Rahmen der Einweihungsfeier mit geladenen Gästen stattfinden. Zwischen 13 und 15 Uhr schließt sich ein Tag der Offenen Tür für alle anderen Interessierten an. „Einige Kinder und Jugendliche freuen sich schon, ihr neues Haus den Gästen zu zeigen und haben versprochen, dass sie besonders gut aufräumen wollen", berichtet Heike Genz. Die Gäste können sich selbst ein Bild davon machen, wie es in dem Neubau gelungen ist, zum Teil enge gesetzliche und finanzielle Vorgaben mit Funktionalität und Strapazierfähigkeit zu verbinden und gleichzeitig ein Wohnumfeld zu schaffen, in dem sich junge Menschen wohl fühlen. Die Baukosten belaufen sich auf rund 2,4 Millionen Euro und werden finanziert durch Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stiftung Wohlfahrtspflege und Eigenmitteln der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Weitere Fördergelder sind bei der Aktion Mensch beantragt.
In dem zweigeschossigen Gebäude mit H-förmigen Grundriss sind nach gut einjähriger Bauzeit sechs 4er-Einheiten entstanden: ein Trainingswohnbereich für vier relativ selbständige Jugendliche und junge Erwachsene, ein Heilpädagogischer Intensivbereich für junge Menschen, die aufgrund ihres Verhaltens besondere Rahmenbedingungen und eine intensive Alltagsbegleitung benötigen sowie vier Wohngruppen, von denen jeweils zwei zu einer 8er-Einheit zusammengefasst werden können. „Wir bieten unter einem Dach ganz verschiedene Wohnformen für junge Menschen mit Behinderung an", berichtet Heike Genz, für die der große Außenbereich ein entscheidender Vorteil des Hauses ist: „Kinder und Jugendliche brauchen viel Bewegung. Damit sie auch alleine in den Garten gehen können, haben wir einen Zaun, denn nicht nur die Jüngsten können die Gefahren des Straßenverkehrs nicht einschätzen, auch wenn andere sogar selbständig in der Stadt Fahrrad fahren", so Heike Genz, die sich freut, dass der Wittekindshof durch den Neubau erstmals auch in Gronau Wohnmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf aufgrund schwerer Mehrfachbehinderung oder aufgrund ihres herausfordernden Verhaltens anbieten kann. „Da sind wir in den alten Gebäuden an Grenzen gekommen. Der Neubau schafft neue Möglichkeiten, aber ist auch ein Ersatz für Wohnheimplätze, die nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen", erklärt Heike Genz und betont, dass die Gesamtplatzzahl des Wittekindshofes nicht steigt.