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Das neue Wohnhaus ist für Karin Kleiner eine große Chance, weil ihre Tochter so weiterhin in Herne wohnen kann und die Wege für Besuche kurz sind.
Herne/ Bad Oeynhausen (AM). „Es war unendlich schwer, das erste Mal alleine vom Emsring wegzufahren. Aber ich bin sehr froh, dass alles so gekommen ist. Lisa-Marie fühlt sich wohl", berichtet Karin Kleiner. Die 19-jährige Schülerin schaut ihre Mutter mit strahlenden Augen an. Seit Ende letzten Jahres wohnt die junge Frau, die aufgrund einer schweren Mehrfachbehinderung auf umfassende Unterstützung in allen Lebensbereichen angewiesen ist, im neuen Wittekindshofer Wohnhaus am Emsring in Herne-Eichenforst: „Das Haus war unsere Chance. Mir ist es ganz wichtig, dass meine Tochter auch weiterhin in Herne lebt. Dann kann ich zwischendurch vorbeikommen und sie auch am Wochenende abholen. Das Wohnhaus am Emsring ist genau das, was ich mir für die Zukunft von Lisa-Marie gewünscht habe", freut sich die engagierte Mutter.
Auch Beate Wagner ist rundum zufrieden, dass Ihr Bruder Werner Timmermann zu den 24 Bewohnern des Neubaus gehört. „Wir haben früher mit unseren Eltern in Herne gewohnt. Das ist unsere Heimat. Unser Vater wäre sehr glücklich, wenn er es noch erleben könnte, dass Werner zurückgekehrt ist", berichtet Beate Wagner, die erleichtert ist, dass sie jetzt nur noch 30 Minuten zu ihrem Bruder fahren und nicht mehr die ganzen Baustellen auf der A2 ertragen muss. Vor fünf Jahren musste Werner Timmermann in den Wittekindshof nach Bad Oeynhausen umziehen, weil es für ihn kein angemessenes Wohnangebot in Herne gegeben hat. „Werner ist ein liebenswerter Mensch, er kann ein echter Charmeur sein, aber er hat auch einen ganz eigenen Kopf. Dann ist es nicht einfach mit ihm", erklärt Beate Wagner. Trotz der weiten Entfernung nach Ostwestfalen war sie sehr froh, dass ihr Bruder im Wittekindshof wohnen und arbeiten konnte. „In Bad Oeynhausen hat er sich stabilisiert. Die schweren Medikamente konnten abgesetzt werden", erinnert sich die Schwester, die ihren Bruder schon früh für den ersten Wittekindshofer Neubau im Ruhrgebiet angemeldet hat. Mittlerweile hat er sich gut eingelebt. „Er braucht jetzt zwar einen Rollstuhl, aber das war absehbar. Neben seiner angeborenen Behinderung, wird eine beginnende Demenz vermutet. Er wird mehr Hilfe benötigen. Ich bin sicher, die Mitarbeiter werden sich dann genauso für ihn einsetzen, wie jetzt für seinen Rollstuhl. Das zu wissen, tut gut", erklärt Beate Wagner.
Lisa-Marie Kleiner und Werner Timmermann wohnen beide in der Regelwohngruppe im Erdgeschoss, die in einen Wohnbereich mit vier und sechs Einzelzimmern und einem zusätzlichem Doppelappartement unterteilt ist. Bei räumlich gleicher Aufteilung werden im Obergeschoss 12 Wohnmöglichkeiten für Menschen mit dem Prader-Willi-Syndrom angeboten, einer seltenen Behinderungsform, die mit einer angeborenen Esssucht, einer meist nur leichten Intelligenzminderung und herausforderndem Verhalten verbunden ist. Auch wenn drei Personen erst in den nächsten Wochen einziehen werden, war die Nachfrage groß: „Wir haben eine lange Warteliste. Der Bedarf nach spezialisierten Wohnmöglichkeiten für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf wie wir sie am Emsring bieten ist in Herne groß", erklärte Dorothee Blome, die für die Angebote der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Herne als Geschäftsbereichsleiterin verantwortlich ist.
Das Wohnhaus am Emsring, ist der erste Neubau der Diakonischen Stiftung Wittekindshof im Ruhrgebiet: „Der Wittekindshof hat in seiner über 120-jährigen Geschichte schon immer viele Menschen aus dem Ruhrgebiet betreut. Jetzt müssen die Menschen nicht mehr nach Ostwestfalen oder ins münsterländische Gronau, sondern der Wittekindshof kommt ihnen mit heimatnahen Wohn- und Unterstützungsangeboten entgegen", berichtet Dorothee Blome und weist darauf hin, dass auch in Hamm ein Neubau kurz vor der Fertigstellung steht und aufgrund der großen Nachfrage auch in Herne ein zweites Haus gebaut werden soll.
Schlüsselübergabe und Einweihung am Freitag
Nachdem die feierliche Schlüsselübergabe für das Wittekindshofer Wohnhaus am Emsring im letzten Herbst kurzfristig wegen der neuen Grippe verschoben werden musste, findet sie jetzt am kommenden Freitag, 30. April, statt. Zu der Einweihungsfeier haben sich bereits 260 geladene Gästen angemeldet. Zu ihnen gehören die Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Angelika Gemkow, Oberbürgermeister Horst Schiereck und Superintendent Reiner Rimkus sowie Geschäftsführer und Mitarbeitenden von vielen verschiedenen Trägern aus dem Sozialbereich, Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche, Gesellschaft und der Nachbarschaft. Für die interessierte Öffentlichkeit findet von 13 bis 15 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Gäste sind herzlich willkommen.