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Bad Oeynhausen (AM). Der ehemalige leitende Pädagoge und stellvertretende Anstaltsvorsteher des Wittekindshofes, Diakon Joachim Hoeft, ist an den Folgen seiner langjährigen schweren Erkrankung am Donnerstag, 5. Januar, im Alter von 72 Jahren verstorben.
Als zweiter Sohn des damaligen Wittekindshofer Labor- und Apothekenleiters Diakon Hugo Hoeft ist Joachim Hoeft auf dem Stiftungsgelände aufgewachsen. Am Anfang seines Dienstes stand eine Lehre in der Wittekindshofer Bäckerei. Nach der Gesellenprüfung besuchte er die Krankenpflegeschule der Universitätskliniken Göttingen, um im Anschluss im Pflege- und Erziehungsdienst im Wittekindshofer Johannes-Falk-Heim in Gronau sowie in den Wohnhäusern Bethanien und Morgenstern in Volmerdingsen zu arbeiten. Parallel absolvierte er die Diakonausbildung, wurde 1965 eingesegnet und schloss eine heilpädagogische Ausbildung an.
Joachim Hoeft wurde leitender Bruder der Schülerabteilung und stellvertretender Hausvater im Haus Morgenstern und war wesentlich an der Entwicklung des neuen Schülerdorfes beteiligt.
In Vechta, einer Außenstelle der Universität Osnabrück, hat Joachim Hoeft studiert und ist 1977 in den Wittekindshof zurückgekehrt. Als Diplom-Pädagoge wurde er Beauftragter für Fort- und Weiterbildung. Er übernahm die Leitung der Diakonenausbildung, war zuständig für die Einführungslehrgänge und initiierte Fortbildungen für die Hausmütter.
In der Diakonenschule hat Joachim Hoeft die Fächer Ethik, Katechetik, Jugendbildung und -erziehung sowie Andachtslehre unterrichtet. Nebenamtlich war er als Lehrer für die Fächer Soziologie, Pädagogik und Medienerziehung im und außerhalb des Wittekindshof tätig. Viele Mitarbeitende erinnern sich an den spannenden Unterricht meistens am frühen Morgen, wenn Joachim Hoeft bewusst mit Provokationen gearbeitet hat, um die Auszubildenden aus der Reserve zu locken.
Konzipiert hat Joachim Hoeft die Diakonische Sonderausbildung. Mit der berufsbegleitenden Einführung in theologische und diakonische Grundfragen hat der Wittekindshof damals Neuland betreten. Das Weiterbildungsmodell hat sich in den letzten 30 Jahren kontinuierlich weiter entwickelt und hat für andere diakonische Träger Vorbildfunktion erlangt. Der damalige Brüderpfarrer Horst Ziemann hat Mitte der 80er Jahre betont, dass es Joachim Hoeft neben der Fort- und Weiterbildung darum gegangen sei, die Motivation zur Arbeit mit behinderten Menschen aus dem Glauben heraus zu fördern und Kommunikationsbarrieren zwischen den Mitarbeitenden und Leitungspersonen abzubauen.
Ab 1. Oktober 1984 war Joachim Hoeft Leitender Pädagoge und damit Mitglied der Anstaltsleitung. Im Dezember 1993 übernahm er zusätzlich die Funktion als stellvertretender Anstaltsvorsteher und war damit Stellvertreter von Pfarrer Erich Eltzner. Als Pädagogischer Leiter setzte er sich unter anderem besonders für das Freizeitwerk ein, förderte den Aufbau des Ambulant Betreuten Wohnens, sodass die ersten zwölf Männer und Frauen aus dem Wittekindshof in eine eigene Wohnung oder kleine Wohngemeinschaft umziehen konnten. Akzente wurden mit Anfängen des Qualitätsmanagementsystems gesetzt, durch das die pädagogische und fachliche Arbeit erheblich gefördert werden konnten.
Besonders am Herzen hat Joachim Hoeft das kirchengemeindliche Leben und die Bläserarbeit gelegen. Er war Mitglied im Posaunenchor Wittekindshof und achtete darauf, dass Mitarbeitende lernen, wie sie das Evangelium auch für Menschen mit geistiger Behinderung verstehbar machen können und Andachten für sie zu gestalten.
Viele Impulse für die eigene Arbeit hat er aus der Behindertenhilfe in Holland, Schweden und Dänemark erhalten, weswegen er regelmäßige Studienfahrten im Rahmen der Ausbildung aber auch für seine Kollegen in der Anstaltsleitung in diese führenden Länder der damaligen Behindertenhilfe organisiert hat.
Als Joachim Hoeft Anfang 2000 aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet wurde, bezeichnet Pfarrer Horst Ritter die erste Wohngruppe für Menschen mit dem seltenen Prader-Willi-Syndrom als „jüngstes Kind" von Joachim Hoeft, das gute Chancen habe, noch groß und stark zu werden. Der damalige Vorsteher sollte Recht behalten. Aus der einen Wohngruppe haben sich mittlerweile vier Wohngruppen in Ostwestfalen, im Münsterland und Ruhrgebiet sowie Beratungs- und Schulungsangebote und eine aktive Beteiligung am internationalen Forschungsaustausch über die spezialisierten Angebote für Menschen mit der seltenen Behinderungsform entwickelt.
Auch als Ruheständler engagierte sich Joachim Hoeft für den Wittekindshof im Beirat der Andreas Gärtner-Stiftung. Aus gesundheitlichen Gründen hat er diese Tätigkeit vor wenigen Jahren an Vorstandssprecher Pfarrer Prof. Dr. Dierk Starnitzke abgeben.
Joachim Hoeft hinterlässt seine Ehefrau, Diakonin Elisabeth Hoeft, und seine drei Töchter mit ihren Familien.