Direkt zum Hauptmenü, zum Inhalt.
Sie sind hier: Startseite › Presse und Materialien › Pressemitteilungen › Ausbildung ist keine karitative Veranstaltung
Sabrina Menzel (3.v.l.) hat Prominente wie Landrat Dr. Ralf Niermann interviewt. Im Hintergrund der Leiter des Berufsbildungswerkes, Roland Cornelsen.
Bad Oeynhausen (AM). Unkonventionelle Wege beschreitet das Berufsbildungswerk Wittekindshof oft, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Lernschwierigkeiten oder Behinderung eine Ausbildung und die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Ungewöhnlich aber wirkungsvoll, war auch der Umgang mit Grußworten beim Festakt zum 40-jährigen Jubiläum. Wenige Tage vor dem Jubiläum hatte die angehende Hauswirtschafterin Sabrina Menzel Prominente interviewt. Das Ergebnis war als Video vor und nach dem Festakt und während des gesamten Festes am Nachmittag zu sehen waren.
Eine kurze Pause zum Videogucken hat sich gelohnt. Viele haben genauer hingehört, als das Berufsbildungswerk mit einer Universität verglichen wurde. Sie konnten dann aber der Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke, Dr. Katja Robinson, aus Berlin schnell zustimmen. Sie hatte betont, dass ein Berufsbildungswerk ebenso wie eine Universität eine Spezialeinrichtung für die Erstausbildung junger Menschen und deswegen ein wichtiger Partner der Wirtschaft und Gesellschaft sei.
Dass Berufsbildungswerke auch zukünftig benötigt werden, wurde bereits in den Fachvorträgen während des Festaktes betont. Anschaulich wurde dies im Interview mit Karlheinz Becker, der in seinem Metallverarbeitenden Betrieb in Bad Oeynhausen bereits vor 12 Jahren den ersten jungen Mann eingestellt hatte, der seine Ausbildung im Berufsbildungswerk absolviert hatte: „Ich bin sehr zufrieden. Habe jetzt den Zweiten fest eingestellt und hatte zwischendurch immer Praktikanten. Es wird immer junge Menschen geben, die in der Ausbildung intensiv betreut werden müssen. Das ist im Handwerk und in der Industrie nicht möglich. Da brauchen wir die Unterstützung des Berufsbildungswerkes", erklärte Karlheinz Becker.
Das bestätigte auch Clemens Wieland, Projektmanager der Bertelsmann Stiftung, in seinem Fachvortrag während des Festaktes: „Ausbildung ist keine karitative Veranstaltung. Sie muss für den Betrieb und ebenso für den Auszubildenden gewinnbringend sein. Die Ausbildung kann noch attraktiver gestaltet werden, wenn man die Unternehmen unterstütz. Nicht finanziell, sondern mit professioneller, individueller Beratung und Begleitung".
Die enge Verzahnung und Zusammenarbeit zwischen einer Spezialeinrichtung wie dem Berufsbildungswerk und Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes hatte auch der Wittekindshofer Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke betont. Ausdrücklich warnte der Theologische Vorstand des Wittekindshofes jedoch vor Sparmaßnahmen, die hinter dem Stichwort Inklusion versteckt würden. Als Beispiel verwies er auf die Schließung der Förderschulen und die Integration lernbehinderter Schüler in Grund- und Hauptschulen: „Inklusive Bildung kann nur gelingen, wenn die notwendigen sonderpädagogischen Mittel und Fachkräfte in die Regelschulen gesteuert werden. Wer während der Schulzeit keine passgenaue auch sonderpädagogische Förderung bekommen hat, für den wird der Schritt in die Berufsvorbereitung und ins Arbeitsleben umso schwieriger."
Dass bei allen Bemühungen bei der Gestaltung des Überganges von der Schule ins Arbeitsleben niemand auf der Strecke bleiben darf, hat im Interview der Mindener Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter, hervorgehoben: „Mit dem Berufsbildungswerk Wittekindshof verbindet mich besonders der christliche Gedanke, niemanden zurück lassen und jeden nach seinen Fähigkeiten zu fördern. Diese jungen Menschen sind trotz oder gerade wegen ihrer Lernschwierigkeiten oder Behinderung ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und können sich einbringen. Doch wir müssen ihnen Möglichkeiten dazu geben und darum ist die Förderung und die Arbeit des Berufsbildungswerkes Wittekindshof von besonderer Bedeutung."