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Menschen aus dem Haus Aleida und die Kirchengemeinde laden zur „Andacht nach dem Glockenläuten" ein.
Rahden/Espelkamp (AM). Seit Anfang des Jahres sind die Türen der evangelischen Johanneskirche in Rahden auch donnerstags ab 18 Uhr weit geöffnet. Bewohner und Mitarbeiter des Wittekindshofer Wohnhauses Aleida und die Kirchengemeinde laden gemeinsam zu einer „Andacht nach dem Glockenläuten" ein. „Wir wollen den Alltag unterbrechen, das in den Mittelpunkt rücken, was im Alltag oft zu kurz kommt, und uns manchmal vielleicht in einer ungewohnten Form an die alten Texte der Bibel erinnern und im gemeinsamen Singen und Beten auftanken", erklärte Meike Griepenstroh, Mitarbeiterin im Haus Aleida, die versichert, dass pünktlich um 18.30 Uhr, wenn die Sitzungen des Presbyteriums und der Ausschüsse beginnen, die Andacht beendet sein wird.
Im Rahmen ihrer Ausbildung als Diakonin hat die Rahdenerin die „Andacht nach dem Glockenläuten" im Gespräch mit den Gemeindepastoren und Kolleginnen und Kollegen aus dem Wittekindshof entwickelt. Angeknüpft hat sie dabei an die Montagabendandachten in Benkhausen, die vor einigen Jahren Schülerinnen der Diakonenschule nach dem Motto „Einfach mal anders" ins Leben gerufen haben. „Im Andachtskreis haben wir überlegt und ausprobiert, wie wir Andachten gestalten müssen, um Menschen mit geistiger Behinderung anzusprechen", berichtet Meike Griepenstroh, die sich gefreut hat, dass sie durch den Andachtskreis Anregungen erhalten und praktische Erfahrungen sammeln konnte, weswegen sie viel gelassener an ihre Prüfungsandacht in einigen Wochen denken kann.
Obwohl die Montagabendandachten auch bei den Bewohnern der Wittekindshofer Wohnhäuser in Espelkamp-Benkhausen und Lübbecke beliebt sind und meistens gut besucht waren, gab es in dieser Form keine Zukunft für den Andachtskreis. „Der Wittekindshof hat sich durch die Regionalisierung verändert. Viele Menschen, die die Andachten besucht haben, wohnen jetzt in den neuen Häusern Am Zollamt in Lübbecke oder in Rahden. Natürlich sehen wir uns noch, aber auf Dauer sind die Wege für eine Andacht zu weit", erklärt die angehende Diakonin, die von ihrem Teamleiter, Diakon Thomas Dullweber, die Anregung erhalten hat, eine Alternative in Rahden zu entwickeln. „Vor fünf Jahren sind die ersten Menschen aus dem Wittekindshof Benkhausen nach Rahden gezogen. Sie fühlen sich hier längst Zuhause, da passt es einfach nicht, wegen einer Andacht nach Benkhausen zu fahren. Außerdem wollen wir uns aktiv einbringen in das Leben der Kirchengemeinde und der Stadt Rahden, die uns herzlich aufgenommen und angenommen haben", erklärt der Teamleiter aus dem Haus Aleida.
Die Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung nimmt in den Planungen von Meike Griepenstroh zentrale Bedeutung ein. „Wir wollen nicht wie bei den Andachten in Benkhausen unter uns bleiben, sondern die Andacht auch als Treffpunkt mit der übrigen Rahdener Bevölkerung nutzen", kündigt Meike Griepenstroh an, die sich freut, dass in den letzte Jahren schon viele Kontakte aufgebaut wurden, an die sie jetzt anknüpfen kann.
Die ersten „Andachten nach dem Glockenläuten" wurden und werden durch Mitarbeitende und Bewohner aus dem Haus Aleida vorbereitet. In der Passionszeit haben bereits die Pfarrer Stefan Thünemann und Hanns Meiners zugesagt, die Andachten zu gestalten. „Nach Ostern werden wir eine Pause machen, da in der wärmeren Jahreszeit die Menschen abends erfahrungsgemäß lieber im Garten als in der Kirche sind. Mit dem Erntedankfest werden auch wieder die "Andachten nach dem Glockenläuten" stattfinden", erklärt die angehende Diakonin, die bis dahin weitere Gemeindegruppen ansprechen und bitten wird, sich an der Vorbereitung der Andachten zu beteiligen, so wie der CVJM bereits die Andachten in der Adventszeit übernommen hat. „Uns geht es nicht um komplizierte Themen und theologische Spitzfindigkeiten, sondern um anschauliche Botschaften für den Alltag und Grundaussagen der Bibel ohne komplizierte Schachtelsätze und Fremdwörter", betont Meike Griepenstroh, die überzeugt ist, dass einfache Sprache für alle Menschen sehr wertvoll sein kann.
Fotos (Stefan Thünemann)