Direkt zum Hauptmenü, zum Inhalt.
Sie sind hier: Startseite › Presse und Materialien › Pressemitteilungen › 600 Arbeitsplätze in Werkstatt Sonnenbrede
Die Betriebsstätte Sonnenbrede wird komplett umgebaut. Innen ändert sich fast alles, außen kommen nur ein neuer Eingang und der neue Werkstattladen mit Glasfassade dazu.
Bad Oeynhausen/ Münster (AM). „Um Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen unabhängig von der Art und Schwere ihrer Behinderung zu ermöglichen und die Wettbewerbsfähigkeit der Wittekindshofer Werkstätten als Sozialträger und Dienstleister für Industrie, Handwerk Handel und Privatkunden zu sichern, investieren wir 6,8 Millionen Euro", erklärt Ressortleiter Diakon Reiner Breder. Geplant ist ein Komplettumbau bis Ende 2011 der Betriebsstätte Sonnenbrede auf dem Gründungsgelände der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen. Mit der Fertigstellung eines neuen Hochregallagers, das seit März 2009 direkt neben dem Werkstattgebäude aus den 70er Jahren gebaut wurde, ist ein erster Meilenstein erreicht. „Auch in der demnächst beginnenden Umbauphase werden 500 Menschen mit Behinderungen und 100 Menschen ohne Behinderung an ihren Arbeitsplätzen in der Werkstatt arbeiten", betont Geschäftsbereichsleiter Diakon Ulrich Hagemeier, der die Umbaupläne maßgeblich zusammen mit einem Mitarbeiterteam und den BJM Architekten aus Hameln entwickelt hat.
Der Umbau bei laufendem Betrieb ist möglich, weil bereits im letzten Jahr die Holz- und Metallwerkstatt in die neue Betriebsstätte Dornenbreite im Werster Gewerbegebiet umgezogen sind. Weiteren Platz schafft der Bau des 1.200 Quadratmeter großen Hochregallagers, weil zukünftig keine Materialien und Fertigwaren wie bisher in der Werkstatt gelagert werden müssen. „Wir bauen ein professionelle Lagerlogistik auf und entlasten die Werkstatt vom nicht ganz ungefährlichem Gabelstaplerverkehr", freut sich Ulrich Hagemeier, der ab sofort keine Kunden mehr um Teillieferungen von Materialien und schnellen Abtransport der Fertigwaren bitten muss. „Industriekunden erwarten mehr als qualitativ hochwertige Montage und zuverlässige Verpackungsarbeiten, die Menschen mit Behinderungen seit Jahren in den Wittekindshofer Werkstätten erledigen. Sie wollen ganze LKW-Ladungen oder Seecontainer mit Material oder Produkten, die wir fertig bearbeitet haben, bei uns zwischenlagern", berichtet der Geschäftsbereichsleiter, der bereits einen Zuschlag für einen größeren Auftrag und damit für zusätzlich passgenaue Arbeit für Menschen mit Behinderungen erhalten hat, weil er das neue Lager anbieten konnte.
Direkt neben dem neuen Lager wird in Kürze die bisherige Metallwerkstatt in einen modernen Arbeitsbereich umgebaut. Dieser Bereich wird in der Umbauphase jeweils von der Abteilung genutzt, die ihre Räume vorübergehend räumen müssen. Ab November wird der Berufsbildungsbereich in den ehemaligen Räumen der Holzwerkstatt gebaut. „Er ist vergleichbar mit einer Lehrwerkstatt, aber angepasst an die Bedürfnisse und Möglichkeiten von Menschen mit Behinderungen, die zu Beginn ihrer Berufstätigkeit grundlegende Fähigkeiten erlernen", erklärt Ressortleiter Reiner Breder, der in die Umbauplanungen auch Erfahrungen aus den drei anderen ostwestfälischen Werkstätten für behinderte Menschen, die sich in Minden, Lemgo und Bielefeld in diakonischer Trägerschaft befinden, hat einfließen lassen. „Berufliche Bildung hat auch für Menschen mit Behinderungen eine Schüsselrolle, sowohl beim Übergang auf einen Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt als auch bei Menschen mit sehr schweren Behinderungen", betont Roland Cornelsen, der als Geschäftsbereichsleiter für den Bildungsbereich verantwortlich ist. Er ist überzeugt dass alle Menschen etwas lernen können und die meisten Menschen auch ihr Leben lang etwas lernen wollen, um sich zu entwickeln. „Bisher haben uns die Räumlichkeiten enge Grenzen gesetzt, mit dem Umbau können wir weitere Bildungswünsche erfüllen", so Roland Cornelsen.
Im bisherigen Berufsbildungsbereich fehlen wie in der gesamten Werkstatt moderne Pflege- und Sanitärräume, aber auch Therapie- und Ruheräume, auf die vor allem Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderung angewiesen sind. Zusätzliche Möglichkeiten schaffen eine Lehrküche und ein PC-Schulungsraum sowie die Kreativ-, Werk und Mehrzweckräume im Betreuungsintensiven Arbeitsbereich, in dem durch Job Sharing auf 80 Arbeitsplätzen 100 Frauen und Männer mit Schwerstmehrfachbehinderung arbeiten werden. Für den Bau der zehn Arbeitsräume, dazugehörender Ruhe- und Sanitärräume, sowie besonderer Förderräume, die Rollstuhlgerecht ausgestattet sind und Rückzugsmöglichkeiten beispielsweise für Menschen mit Autismus bieten, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ein Darlehen in Höhe von knapp zwei Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Gesamtumbaukosten der Betriebsstätte Sonnenbrede belaufen sich auf 6,8 Millionen Euro und müssen ansonsten aus Eigenmitteln finanziert werden, weswegen die Diakonische Stiftung Wittekindshof mit dem Spendenprojekt A+B=C um Unterstützung bittet und im Internet einen Chancenshop eingerichtet hat.
Weitere zentrale Elemente des Komplettumbaus bilden der Bau eines neuen Werkstattladens, eines neuen Haupteingangs mit guten Bushaltemöglichkeiten und die neue Kantine. Architekt Rainer Messmann kündigt an, dass durch die drei geplanten Innenhöfe der Charakter der Werkstatt nachhaltig verändert werde: „Noch fehlt Tageslicht, das Gebäude wirkt eher düster. Zukünftig scheint die Sonne hinein und es wird hell. Die Innenhöfe sollen als Gärten der Sinne für Pausen, aber auch für spezielle Förderungen gestaltet werden", freut sich der Hamelner Planer. Bis es soweit ist, werden Baulärm, Staub und Enge unvermeidlich sein. Ulrich Hagemeier ist aber überzeugt, dass sich das ebenso wie die hohe Investition lohnen wird: „So wie das Lager die Attraktivität der Wittekindshofer Werkstätten für die Kunden aus Industrie, Handel und Handwerk steigert, werden die räumlichen Veränderungen die Arbeitsplatzbedingungen für Menschen mit Behinderungen erheblich verbessern."
Wittekindshofer Werkstätten
Die Wittekindshofer Werkstätten gehören zu den vier anerkannten Diakonischen Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Ostwestfalen, die sich in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Minden oder einer großen diakonischen Einrichtung (Bethel, Eben Ezer, Wittekindshof) befinden. Die Wittekindshofer Werkstätten bieten in Bad Oeynhausen, Löhne, Espelkamp und Gronau in verschiedenen Betriebsstätten 1.200 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen in den Bereichen Industrielle Arbeit, Handwerk, Holz- und Metallbe- und -verarbeitung, Dienstleistungsbereich, Garten- und Landschaftsbau, Betreuungsintensive Arbeitsbereiche und Berufsbildungsbereich. In der Betriebsstätte Sonnenbrede auf dem Gründungsgelände der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen arbeiten 500 Menschen mit Behinderungen und rund 100 Menschen ohne Behinderung im Arbeitspädagogischen Bereich, im Begleitenden Dienst und in der Hauptverwaltung der Wittekindshofer Werkstätten. Durch den Komplettumbau verändert sich die Gesamtzahl der Arbeitsplätze im Wesentlichen nicht. Neben der Betriebsstätte Sonnenbrede bietet die Betriebsstätte Vorwerk der Wittekindshofer Werkstätten weitere knapp 100 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen in Volmerdingsen.