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Das Schülerdorf in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen bietet Wohnmöglichkeiten für 118 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Lernbehinderungen oder unterschiedlich stark ausgeprägten geistigen und mehrfachen Behinderungen, die zum Teil mit chronischen Erkrankungen (z.B. Diabetes, Epilepsie, Allergien) oder psychischen Beeinträchtigungen (z.B. ADHS/ADS, autistische Symptome, Verhaltensbesonderheiten) verbunden sind.
Sechs Doppelhäuser an der Schülerstraße im Nordwesten des Wittekindshofer Gründungsgelände bilden den Kern des Schülerdorfes. Wenige Gehminuten entfernt liegt Haus Berlin für 12 ältere Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen die Verselbständigung im Vordergrund steht. Innerhalb des Hauses leben sie in einer 4er und einer 8er Wohngemeinschaft. In den übrigen zwölf Wohngruppen leben jeweils acht bis 12 junge Menschen meist in gemischtgeschlechtlichen und altersgemischten Wohngruppen oder in einem Appartement. Zum Teil sind die Wohngruppen im Schülerdorf barrierefrei und damit auch für Kinder und Jugendliche mit Rollstuhl oder Gehhilfen geeignet. Für junge Menschen mit besonders herausforderndem Verhalten wurde im Haus Hannover/ Braunschweig ein Heilpädagogischer Intensivbereich (HPI) geschaffen.
Die einzelnen Wohngruppen leben in familienähnlichen Strukturen mit gemeinsamen Mahlzeiten und Freizeitaktivitäten, aber auch mit individuellen Rückzugsmöglichkeiten. In der Regel fährt jede Wohngruppe einmal im Jahr in den Urlaub, zusätzlich werden Kurzfreizeiten, Ausflüge und je nach Alter und Interessenlage Kino-, Konzert- oder Theaterbesuche, Fahrten zu Sportveranstaltungen oder Stadtfesten angeboten.
Allen Wohngruppen stehen eigene Gemeinschaftsräume (Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, Spiel- und Toberäume, Bastelkeller usw.) und ein großzügiges Außen- und Gartengelände mit verschiedenen Schaukel- und Spielgeräten, Sandkästen, Bolzplatz und Rasenflächen zur Verfügung. Hinzu kommen weitere Spielplätze, eine Turnhalle, ein Schwimmbad und ein Sportplatz auf dem Wittekindshofer Gelände.
Oberstes Ziel der Betreuung im Wittekindshofer Schülerdorf besteht darin, die individuelle Entwicklung und die Selbständigkeit der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu fördern und ihnen ein Lebensumfeld anzubieten, in dem sie sich wohl fühlen. Die Betreuung orientiert sich jeweils an den individuellen Bedürfnissen und am Entwicklungsstand des Einzelnen. Förderung der Selbständigkeit besteht bei dem einen beispielsweise darin, mit ihm auch über Monate zu trainieren alleine seine Schuhe anzuziehen. Andere trainieren selbständig je nach Wetter angemessene Kleidung auszuwählen und zu entscheiden, wann etwas gewaschen werden muss und lernen im nächsten Schritt den Umgang mit der Waschmaschine. Grundsätzlich gilt: so viel Hilfe und Unterstützung wie nötig und so viel Selbständigkeit wie möglich. Für die einen ist es eine Herausforderung, sich in der eigenen Wohngruppe außerhalb des eigenen Zimmers zu orientieren, andere trainieren ihren Orientierungssinn im nahegelegenen Wiehengebirge.
Breiten Raum nimmt die Einübung lebenspraktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten ein. Dazu gehören An- und Auskleiden, Körperhygiene, Essen und Trinken, aber je nach Alter und Entwicklungsstand auch Aufräumen und das Putzen des eigenen Zimmers und eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Neben Freispielphasen und Zeiten zur eigenen Verfügung finden pädagogische Gruppen- und Einzelangebote statt. Den Kindern stehen klassische Spielsachen wie Bauklötze, große Legosteine, Puppen, Autos, Bilderbücher und Puzzle, aber auch Roller, Kettcars und Sandspielzeug zur Verfügung. Jugendliche haben oft mehr Interesse am Kicker, Dart- oder Billiardspielen oder wollen zur Lieblingsmusik tanzen. Einige Wohngruppen haben sich Fische oder Kaninchen als Haustiere angeschafft. Bewegungs- und Gemeinschaftsspiele werden gemeinsam erprobt und geübt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern das Spielverhalten und regen die Kinder und Jugendlichen an, auch eigene Spiel- und Freizeitaktivitäten zu entwickeln. Die Kinder und Jugendlichen erhalten Unterstützung bei der Kontaktaufnahme mit anderen Kinder und Jugendlichen, aber auch bei Streitigkeiten und Beziehungskonflikten.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schülerdorfes stehen den Kindern und Jugendlichen auch im emotionalen Bereich hilfreich zur Seite. Tränen müssen nicht nur bei den Kleineren getrocknet werden. Manchmal helfen Zuhören, eine liebevolle Umarmung oder ein buntes Trostpflaster. Bei schwerwiegenden Problemen können Fachleute wie die Psychologin, ein Seelsorger oder Therapeuten zur Hilfe gezogen werden.
Je nach persönlichem Entwicklungstand und individuellen Fähigkeiten sollen sich alle Kinder und Jugendlichen an den im Haushalt anfallenden Arbeiten beteiligen. Tischdecken, Spülmaschine ein- oder ausräumen, Fegen, Staubsaugen oder Müll rausbringen sind typische Aufgaben, die wöchentlich nach einem Ämterplan verteilt werden. Alle Kinder und Jugendlichen werden darin unterstützt, vorhandene Fähigkeiten auch zum Wohle der Hausgemeinschaft einzusetzen. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche mit schweren Behinderungen. Auch wer den Tisch nach dem Essen nicht selbst abwischen kann, kann auf seinem Rollstuhl vielleicht den Wassereimer transportieren. So können sich alle als wichtigen Teil der Gemeinschaft erleben. Das stärkt das Selbstbewusstsein und trägt zur Zufriedenheit bei. Das Zusammenleben von Jüngeren und Älteren mit unterschiedlich stark ausgeprägten Behinderungen, führt dazu, dass sich die Kinder und Jugendlichen in verschiedenen Situationen gut gegenseitig unterstützen können. So erleben sie, dass sie selbst zum Helfer werden können und nicht nur selbst auf Hilfe angewiesen sind.
Auch wenn Kinder und Jugendliche nicht mit Worten sprechen können, wird viel Wert auf die Kommunikationsfähigkeit gelegt. In enger Kooperation mit den Mitarbeitenden aus dem Therapiezentrum und aus der Schule wird versucht, mit Zeichen, Bildern und Gebärden oder mit Hilfe von technischen Hilfsmitteln die Verständigung zu verbessern. Um die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen optimal zu fördern, ist auch in vielen anderen Bereichen (z.B. Bewegungsförderung, Essverhalten) die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Wohnbereich, Therapie, psychologischem und medizinischem Dienst entscheidend.
Diakonische Stiftung Wittekindshof
Geschäftsbereichsleitung Wohnen I
Kinder- und Jugendliche
Diakon Ralf Störmer
Schülerstraße 2
32549 Bad Oeynhausen
Tel.: 0 57 34/ 61-15 50