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Anlässlich des bevorstehenden 125-jährigen Jubiläums des Wittekindshofes im Jahr 2012 und aufgrund des Wunsches, die eigene Herkunft auf dem Hintergrund des laufenden Leitbild- und Strategieprozesses zu klären, wurden Professor Hans-Walter Schmuhl und Dr. Ulrike Winkler beauftragt, die Geschichte des Wittekindshofes wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die Studie soll zum 125. Jahresfest, am Sonntag Trinitatis 2012, vorliegen.
Vorstudie zur Gewalt in den 1950er und 1960er Jahren
Bereits ein Jahr früher im Juni 2011 ist eine Vorstudie erschienen, zu der sich die Verantwortlichen entschieden hatten aufgrund der öffentlichen Diskussion um Gewalt in der Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren und konkreter Vorwürfe, die von ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern gegen den Wittekindshof erhoben wurden.
Mit Professor Hans-Walter Schmuhl aus Bielefeld und Dr. Ulrike Winkler aus Berlin konnten zwei führende Diakoniehistoriker für die Aufarbeitung der Wittekindshofer Geschichte gewonnen werden, die bereits zahlreiche Veröffentlichungen zur Diakonie-, Sozial- und Zeitgeschichte sowie zur Wissenschafts- und Stadtgeschichte vorgelegt haben.
Der sonntägliche Kirchgang, aber auch Gewalt gehörten zum Alltag der Mädchen und Jugendlichen aus dem Gerahaus.
Die Vorstudie ist unter dem Titel "'Als wären wir zur Strafe hier' Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung - der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren" als Buch im Bielefelder Verlag für Regionalgeschichte erschienen. Es ist eine wissenschaftliche Studie, die allgemein verständlich geschrieben ist. Sie basiert auf Interviews mit ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern, Mitarbeitenden und einer Praktikantin sowie auf der Auswertung von Materialien aus Archiven in Bad Oeynhausen, Bielefeld und Berlin.
Aufgrund „bislang einzigartiger Quellenfunde" (Schmuhl/Winkler), wurde der Untersuchungszeitraum auf die Jahre 1929 bis in die 1970er Jahre ausgeweitet. Archivmaterialien werden ausführlich wiedergegeben, historisch eingeordnet und interpretiert. Am Schluss des Buches werden Erinnerungen eines Bewohners an die 1960er und 1970er Jahre dokumentiert, die er 2002 aufgeschrieben hat und die nach seinem Tod aus dem Nachlass an das Archiv Wittekindshof übergeben wurden.
Mit der Vorstudie wird erstmals eine geschichtswissenschaftliche Arbeit vorgelegt, die die Lebenssituation der Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch der Mitarbeitenden in einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in den Jahren 1929 bis in die 1970er-Jahre hinein beschreibt.
Hans-Walter Schmuhl/ Ulrike Winkler, „'Als wären wir zur Strafe hier' Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung - der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren", Schriften des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, Band 19, Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2011, ISBN: 978-3-89534-899-0, 14 Euro (Selbstkostenpreis).
Die Studie ist ab 27. Juni 2011 über den Buchhandel oder im Wittekindshofer Werkstattladen in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen erhältlich.