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Sie sind hier: Startseite › Aktuelles › Nachrichten › Pfarrer i.R. Eltzner nach langer Krankheit verstorben
Bad Oeynhausen (AM). Pfarrer i.R. Erich Eltzner ist am Samstag (12. Dezember 2009) im Alter von 76 Jahren in Bad Oeynhausen gestorben. Er stand von 1980 bis 1998 als Vorsteher an der Spitze des Wittekindshofes und der Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof. 1987 bis 2002 war er Vorsitzender des Bundesverbandes Evangelische Behindertenhilfe (BeB) und seiner Vorgängerorganisation, außerdem langjähriges Mitglied der Diakonischen Konferenz und des Diakonischen Rates, der beiden obersten Organe des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie Vorsitzender des Kuratoriums der Diakonischen Akademie. In Westfalen war er Mitglied im Vorstand des Diakonischen Werkes und des Fachverbandes Behindertenhilfe, dessen Vorsitz er 1989 bis 1997 innehatte.
Der in Einbeck geborene westfälische Pfarrer genoss bundesweit als im Glauben tief verwurzelter evangelischer Christ und engagierter Sozialpolitiker über die Behindertenhilfe hinaus hohes Ansehen. In seiner Amtszeit im Wittekindshof führte er den Aschermittwochsempfang ein, dem er ebenso wie dem Wittekindshofer Jahresfest ein unverkennbares sozialpolitisches und ethisches Profil verlieh. Als Wittekindshofer Vorsteher konnte er zahlreiche Bundes- und Landespolitiker im Wittekindshof begrüßen. Höhepunkt war der Besuch von Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 28. Februar 1990 auf dem Gründungsgelände und am Vorwerk in Volmerdingsen sowie beim Aschermittwochsempfang. Bundeskanzler Helmut Kohl war im September 1997 Gastredner bei der Mitgliederversammlung zum 100-jährigen Jubiläum des Verbandes Evangelischer Einrichtungen für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung (VEEB), die im Wittekindshof in Bad Oeynhausen stattgefunden hat. An der Fusion dieses Fachverbandes mit dem Verband Evangelischer Einrichtungen für die Rehabilitation Behinderter e.V. (VEERB) im Jahr 1998 zum einheitlichen Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) war Pfarrer Erich Eltzner maßgeblich beteiligt. Den Vorsitz im BeB setzte er auch als Ruheständler vier Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Wittekindshof fort, bis 2002 mit Pfarrer Klaus-Dieter K. Kottnik, dem heutigen Präsidenten des Diakonischen Werkes, ein geeigneter Nachfolger für das Ehrenamt zur Verfügung stand. Pfarrer Eltzner wurde als Ehrenvorsitzender des BeB berufen und nahm auch weiterhin an den Fachtagungen und Empfängen teil, deren Inhalte oder beteiligte Personen ihm besonders am Herzen lagen.
Auch im Ruhestand war Pfarrer i.R. Erich Eltzner ein gefragter Referent, Redner und Prediger. Trotz seiner langen und schweren Erkrankung hat er immer wieder Kräfte mobilisiert, aktuelle politische und diakonische Entwicklungen aufmerksam beobachtet, kommentiert und den Kontakt zu Weggefährten in Diakonie, Kirche, Behindertenhilfe und Politik gepflegt. Dazu gehörten regelmäßig im Januar die pointierten Andachten bei der Jahreshauptversammlung des Pensionärs Club Wittekindshof (PCW), mit dem er bis zum Tage vor seinem Tod auf einer Reise im Erzgebirge unterwegs war.
Nach Studium und Vikariat war Erich Eltzner elf Jahre Gemeindepfarrer und Jugendpfarrer im Kirchenkreis Hagen und gleichzeitig 1. Vorsitzender des örtlichen Diakonischen Werkes. In den Jahren 1970 bis 1980 war der vierfache Vater Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen und 1972 bis 1984 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej). Außerdem war der später mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrte Pfarrer Mitglied und zum Teil stellvertretender Vorsitzender der Jugendkammer der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Auf der Grundlage seines christlichen Menschenbildes setzte sich Pfarrer Erich Eltzner für Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Teilhabe ein und engagierte sich in der Versöhnungsarbeit zwischen Deutschen und Juden. Er war von 1976 bis 1984 Mitglied der Deutsch-israelischen Fachkommission der Bundesregierung, arbeitete im Länderausschuss Israel von Rotary International und im Deutsch-Israelischen Länderausschuss von Rotary Deutschland.
Die Trauerfeier für Erich Eltzner findet am Freitag, 18. Dezember, um 13.30 Uhr in der Wittekindshofer Erlöserkirche in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen (Zur Kirche 8, 32549 Bad Oeynhausen) mit anschließender Beisetzung auf dem Friedhof der Diakonischen Stiftung statt. Seine Ehefrau Eva-Maria, seine vier Kinder mit den zehn Enkelkindern und einem Urenkel bitten im Sinne des Verstorbenen anstelle von Blumenschmuck um eine Spende, die je zur Hälfte dem Wittekindshofer Ferienhaus in Cuxhaven und dem Friedensdorf Neve Shalom in Israel zugute kommen wird.
Spendenkonto Nummer: 12 22 00
Volksbank Bad Oeynhausen-Herford eG (Bankleitzahl 494 900 70)
Stichwort: Trauerfeier Eltzner
Wichtige Entwicklungen im Wittekindshof in der Amtszeit von Pfarrer Erich Eltzner
Pfarrer Erich Eltzner war 18 Jahre Vorsteher des Wittekindshofes. In seiner Amtszeit wurden zahlreiche Wohnhäuser grundsaniert, erweitert oder neu gebaut auf dem Gründungsgelände und am Vorwerk in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen, aber auch in Espelkamp-Benkhausen (Bau der drei Neubauten im Park), Löhne Ulenburg (Bau des Hauses am Mühlengrund), Gronau (Umbau des Annaheims). Durch den Kauf des Meyer-Spelbrink-Hauses und des benachbarten Hauses Fernblick konnte der Wittekindshof seit 1994 auch in Nettelstedt bei Lübbecke arbeiten. Auf diese Weise konnten Schlafsäle aufgegeben werden. In den Häusern Morgenstern, Bethanien, Marienheim und Lazarusheim entstanden Doppelzimmer mit zugeordnetem Sanitärbereichen, die mehr Individualität ermöglichten. Es wurde vereinbart, den großen Sonderkrankenhausbereich mit über 600 Betten auf dem Gründungsgelände in Bad Oeynhausen in einen Heimbereich umzuwandeln. Durch den Einzug einer Männergruppe in das Marthahaus wurde ab 1981 die strikte Geschlechtertrennung aufgehoben und das Zusammenleben von Männern und Frauen unter einem Dach ermöglicht. In den neunziger Jahren entwickelten sich die Anfänge selbständiger Wohnformen für Menschen mit Behinderung. Ab 1995 konnten einzelne Männer und Frauen in das Ambulant Betreute Wohnen umziehen.
Außerdem fielen in die Amtszeit von Pfarrer Eltzner Erweiterungen im Bereich der Förderschule in Gronau sowie Erweiterungen und Neubauten im Bereich der Werkstätten für behinderte Menschen, der Bau des Therapiezentrums, der Turnhalle und der neuen Wirtschaftszentrale auf dem Gründungsgelände. Erweiterungen wurden außerdem für das Verwaltungsgebäude auf dem Gründungsgelände und die Mitarbeiterausbildung vorgenommen. Kurz vor Eintritt in den Ruhestand von Erich Eltzner wurde 1998 der Angehörigenbeirat gegründet.