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Diakon Conrad Meise, der ehemalige Leiter des Wittekindshofes Gronau und Benkhausen und langjähriges Mitglied des Brüderrates.
Bad Oeynhausen/ Espelkamp-Benkhausen/ Gronau (AM). Am vergangenen Freitag ist der langjährige Leiter des Wittekindshofes Benkhausen und Gronau, Diakon Conrad Meise, nach schwerer Krankheit in Bad Oeynhausen verstorben. Er hat als Hausvater an den beiden nach dem zweiten Weltkrieg entstandenen Wittekindshofer Standorten zunächst 17 Jahre in Espelkamp-Benkhausen und anschließend 11 Jahre in Gronau an der holländischen Grenze grundlegende Aufbauarbeit geleistet. Darüber hinaus gehört er zur Gründergeneration der 1949 gegründeten Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof, in der er über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren als Mitglied des Brüderrates ebenfalls leitende Funktion übernommen hat. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist er, weil er in vielen Kirchen Gottesdienstvertretungen übernommen, sich in Ausschüssen und für den gottesdienstlichen Lektorendienst engagiert hat. „Diakon Meise hat Gemeinschaft gelebt und gepflegt und damit den Zusammenhalt des damals stark wachsenden Wittekindshofes an verschiedenen Standorten und über große Distanzen zwischen Ostwestfalen und dem Münsterland gefördert. Damit ist er für uns bis heute ein Vorbild", erklärte der Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke.
Conrad Meise ist in Ostfriesland geboren, aufgewachsenen und hat in Leer eine Ausbildung als Verwaltungsangestellter absolviert. Die Entscheidung nach Westfalen zu gehen, hat Conrad Meise im Sommer 1948 getroffen, als er von dem Mitarbeitermangel in Bethel gehört hatte. Seinen insgesamt über 50-jährigen hauptamtlichen Dienst in der Diakonie hat er am 1. Oktober 1948 als Diakonenschüler der Westfälischen Diakonenanstalt Nazareth in Bethel angetreten. Bereits im April 1949 wurde er in den Wittekindshof entsandt, wo er seinen Dienst fortgesetzt hat, auch als sich das Bruderhaus Nazareth aus dem Wittekindshof zurückgezogen hat. In den Jahren 1951/52 war Conrad Meise 18 Monate in der benachbarten Behindertenhilfeeinrichtung Eben Ezer in Lemgo tätig. Nach Abschluss seiner pflegerischen Fachausbildung und der theologisch-diakonischen Diakonenausbildung wurde er 1957 als Diakon eingesegnet. Er hat in verschiedenen Wittekindshofer Wohnhäusern in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen gearbeitet, war stellvertretender Hausleiter im Wittekindshofer Krankenhaus Bethanien und wurde zum 1. Mai 1964 als Leiter des Wittekindshofes Benkhausen berufen.
Das Ehepaar Marie und Conrad Meise waren die ersten Hauseltern in Benkhausen, dem damals jüngsten Standort des Wittekindshofes, der zur Entlastung der sehr beengten Lebensverhältnisse auf dem Gründungsgelände in Volmerdingsen geschaffen wurde. Diakon Conrad Meise hat durch zahlreiche persönliche Kontakte in der Nachbarschaft, aber auch zu Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie durch Mitarbeit in verschiedenen kirchlichen und diakonischen Gremien um Verständnis für Menschen mit Behinderung und die neue Wittekindshofer Einrichtung geworben. „Conrad Meise hat ein Netzwerk an Förderern und Unterstützern aufgebaut, von dem wir in Benkhausen noch heute profitieren", erklärt Diakon Peter Dürr, der als dritter Leiter im Wittekindshof Benkhausen tätig war.
Die ersten sechs Bewohner sind Ende 1963 kurz vor dem Dienstantritt von Diakon Meise nach Benkhausen gezogen. Conrad Meise hat sich für die Ausweitung der Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung in Benkhausen eingesetzt. Am Ende seiner 17-jährigen Amtszeit lebten in Benkhausen 167 Bewohner im und rund um Schloss Benkhausen. Darüber hinaus hat Diakon Meise in alten Stallungen die Anfänge der heutigen Betriebsstätte Benkhausen der Wittekindshofer Werkstätten geschaffen.
Obwohl sich Conrad Meise mit seiner Familie rund um Schloss Benkhausen Zuhause gefühlt hat und die Aufbauarbeit gerne fortgesetzt hätte, hat ihn die Leitung des Wittekindshofes mit Wirkung zum 1. Mai 1981 als Leiter der größten Wittekindshofer Zweigeinrichtung nach Gronau berufen. Auch im Westmünsterland hat der Diakon durch hohe persönliche Präsenz ein weit verzweigtes Netzwerk für den Wittekindshof und zugunsten von Menschen mit Behinderung aufgebaut und eng mit dem vor Ort vorhanden Diakonischen Werk zusammengearbeitet. Er war Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde Gronau, hat in zahlreichen Ausschüssen in der Gemeinde und im Kirchenkreis mitgearbeitet und häufig auch kurzfristig Gottesdienstvertretungen übernommen. Die ehemalige Leiterin der Wittekindshofer Johannesschule und Presbyterin Irmgard Baumann erinnert daran, dass sich Conrad Meise aktiv dafür eingesetzt hat, Menschen mit Behinderung in das Gemeindeleben zu integrieren. „Ein anderes Herzensanliegen waren die monatlichen Abende der Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft, und der direkte Kontakt vor allem zu neuen Bewohnern und Mitarbeitern und sein stets offenes Ohr für Probleme, weswegen er oft sonntags mit seiner Ehefrau die Wohngruppen besucht hat", so Irmgard Baumann.
Ein tief schneidendes Ereignis während seiner Gronauer Amtszeit war das Großfeuer am 31. Oktober 1987 das die Werkstatt zerstört hat, die auch vom Evangelischen Posaunenchor und Spielmannszug der Erlöserkirche für Übungsabende genutzt wurde. Eingesetzt hat sich Conrad Meise für neue Wohnmöglichkeiten, aber auch für die Frühförderung, die erstmals 1988 eigene Räume im alten Kreishaus in Ahaus bekommen hat, nachdem sie zuvor nur notdürftig im Sonderkindergarten in Alstätte untergebracht war. Im gleichen Jahr wurden mit einem großen Architekturwettbewerb entscheidende Weichenstellungen für die Sanierung des alten Annaheims getroffen, das nicht mehr den Anforderungen moderner Behindertenhilfe entsprochen hat. Noch bevor Conrad Meise im Februar 1992 in den Ruhestand verabschiedet wurde, konnte er nach zehnjähriger Planungsphase den Grundstein für den ersten Bauabschnitt legen. Insgesamt entstehen bis 1995 vier neue Wohnhäuser und das Verwaltungsgebäude mit Cafeteria und Kapelle in einem sanierten Teil des alten katholischen Mädchenheims Sankt Anna.
Mit Beginn seines Ruhestandes ist Conrad Meise zusammen mit seiner Ehefrau nach Ostwestfalen zurückgekehrt. Auch weiterhin engagiert er sich für den Wittekindshof, die Diakonische Brüder- und Schwesternschaft und die Kirchengemeinde. Außerdem war er lange Vorstandsmitglied des Pensionärsclub Wittekindshof. Für viele sichtbar wurde sein Engagement bei vielen Festen und im Lektorendienst, aber geschah auch weiterhin in vielfältiger Form im Hintergrund. Viel zu früh, bereits 1995 musste Conrad Meise nach mehr als 40-jähriger Ehe den Tod seiner Frau Marie verkraften. Eine neue Wegbegleiterin hat er in der ehemaligen Pfarrerin der Anstaltskirchengemeinde Wittekindshof Dörte Schlolaut gefunden. Die besondere Verbundenheit zum Wittekindshof Benkhausen, wo sein Sohn Herbert im Theodor-Flieder Haus lebt, wird auch daran deutlich, dass 2005 der Gottesdienst zur Trauung von Conrad und Dörte Meise in der Scheune in Benkhausen stattgefunden hat.
Auch wenn Diakon Conrad Meise knapp eine Woche vor seinem Tod selbst nicht mehr am Brüder- und Schwesterntag teilnehmen konnte, lag ihm viel an der Gemeinschaft der Diakone, Diakoninnen und der Diakonischen Mitarbeiter. So hat er es nicht versäumt, vom Krankenbett aus herzliche Grüße- und Segenswünsche zu senden.
Der Trauergottesdienst findet am Donnerstag, 11. Februar, um 14 Uhr in der Volmerdingsener Kirche statt. Im Sinne des Verstorben wird um eine Spende für das Theodor-Fliedner-Haus im Wittekindshof Benkhausen gebeten: Konto Nr. 12 22 00, bei der Stadtsparkasse Bad Oeynhausen, BLZ 490 512 85, Stichwort: Trauerfall Meise.